Pressemitteilung der SJD – Die Falken Bezirksverband Hannover anlässlich der Streichung der Sondermittel „Haupt- und Realschulabschluss“

Das Land Niedersachsen plant massive Kürzungen im Bereich der Erwachsenenbildung. Besonders zu kritisieren ist dabei die Streichung der Sondermittel zur Nachholung von Haupt- und Realschulabschlüssen in Höhe von 800.000 Euro, die sowieso schon für gerade mal die Hälfte der beantragten Kursplätze reichen. Damit ist ein besonders wichtiger und erfolgreicher Teil der Erwachsenenbildung existenziell bedroht.

Die Argumentation der Landesregierung, der Bedarf werde durch Berufsvorbereitende Bildungsmaßahmen (BvB) der Bundesagentur für Arbeit abgedeckt, ist schlicht falsch. Weder sind genug Plätze vorhanden, noch werden alle TeilnehmerInnenkreise erreicht, richten sich diese Maßnahmen ja nur an diejenigen, die arbeitslos gemeldet sind. Wer zum Beispiel trotz Arbeit den Abschluss nachholen möchte, fällt hier raus. Aber wen interessieren schon die Perspektiven derjenigen, die sowieso in keiner Arbeitslosenstatistik auftauchen? Die Landesregierung offenbar nicht. Zudem berichten Träger der Erwachsenenbildung, dass viele ihrer Teilnehmenden zuvor bei Maßnahmen der Arge gescheitert seien. Mehr als die Hälfte der BvB-Teilnehmenden schaffen den angestrebten Abschluss nicht. Es ist die Aufgabe des Landes für die schulische Ausbildung mit einem möglichst positiven Ergebnis zu sorgen. Auf Reperaturbetrieb aus Bundesgeldern zu bauen ist ein zynischer Versuch sich dieser Verantwortung zu entziehen.

Die Landesregierung beweist mit diesem Schritt, wie wenig ihr an Lebensperspektiven junger Menschen liegt. Wer Mittel für das Erlangen von Basisqualifikationen streicht, lässt zu, dass Menschen endgültig ins gesellschaftliche Abseits geraten. Laut der VHS-Fachbereichsleiter handelt es sich bei der Mehrheit der Kursteilnehmenden um „zunächst resignierte und demotivierte Jugendliche aus ‚prekären Verhältnissen’“. Gerade dieser Gruppe bereits Abgehängter einer elementaren Zukunftschance zu berauben ist ein sozialer Polarsturm. Es liegt aber im Interesse dieser Gesellschaft allen jungen Menschen die Förderung zu ermöglichen, die sie benötigen. Nur so kann man dem Anspruch einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft gerecht werden. Daher sind die Programme des Zweiten Bildungsweges der VHS nicht nur zu erhalten, sondern durch verlässliche Förderung eine ausreichende Basis zu geben.

Die SJD-Die Falken Bezirksverband Hannover fordern daher eine Rücknahme der Streichung der Sondermittel „Haupt- und Realschulabschluss“ sowie eine langfristige, verlässliche Förderung des Zweiten Bildungsweges.

An Perspektiven darf nicht gespart werden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.